Die hochsensible Handtasche

Die hochsensible Handtasche

Die hochsensible Handtasche

Als sich neulich in der S-Bahn ein stark parfümierter Mann mir gegenübersetzte, wurde mir klar: Die Zeit für diesen Blogbeitrag ist reif.

Ich zückte ein Tuch aus meiner Handtasche und schlang es um meine untere Kopfhälfte sowie um meinen Hals – so, dass Nase und Mund bedeckt waren. Wusstest du, dass ein Tuch in solchen Situationen ein wunderbar funktionierender Filter ist? Ein echter Bringer im Umgang mit „wandelnden Pafümerien“!

In diesem Beitrag geht es um kleine, handtaschen-affine Helferchen, mit denen du dir feine Räume der Gelassenheit inmitten dem Tohuwaboh dieser reizvollen Welt schaffen kannst.

Prophylaxe gegen Raumverlust

Früher wäre ich in dieser Situation aufgestanden und hätte mir einen anderen Platz gesucht. Und klar, – generell meide ich auch heute noch bestimmte Situationen, die erfahrungsgemäss zu einer Überstimmulation führen.

Auf der anderen Seite unterstützt die Flucht vor Geräuschen, Gerüchen und Gewusel das Gefühl, diejenige zu sein, die ausweicht und die ihren Platz aufgibt. Langfristig ist dies nicht sonderlich zuträglich fürs Selbstwertgefühl. Und ein permanentes Flüchten kann ein Schwarz-Weiß-Denken à la „Böse, übergriffige Welt – guter, geschützter Cocoon daheim“ verschärfen.

Ich erfahre es als stärkend, mich auf gewisse Situationen vorzubereiten – so, dass ich meinen Raum behalten kann und es mir gut geht.

Hochsensible Helferchen für die Handtasche

1. Tuch

Ein Tuch leistet vielseitige Dienste für die feinfühlige Seele. Es bietet einen wirksamen Schutz vor unangenehmen Gerüchen. Ausserdem vor Zugluft und intensiver Sonneneinstrahlung. Und in den öffentlichen Verkehrsmitteln hilft es dir, Ablenkungen auszuschalten, indem du es dir um den Kopf schlägst und ich einmummelst.

Ein Tuch eignet sich hervorragend, um die Macht des Priming für sich zu nutzen. Priming ist ein Begriff aus der Psychologie und besagt – pauschal formuliert – dass spezielle Assoziationen aufgrund von Vorerfahrungen aktiviert werden. Mit einem Tuch kannst du entspannende Gedanken und angenehme Sinneserfahrungen erzeugen:

  • Betupfe es dezent mit deinem Lieblingsparfum oder -duft (oder dem deines Partners/deiner Partnerin)
  • Kaufe es an einem schönen Ort, wenn du in Ferien- oder Festtags-Stimmung bist
  • Wähle beruhigende Farben wie blau oder grün. Oder deine Lieblingsfarbe

2. Wohlriechendes

Angenehme Düfte sind – bewusst dosiert – eine Wohltat. Sie sind im Falle von intensiven Parfumwolken weniger zweckdienlich, bieten aber bei leichteren unangenehmen Gerüchen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Wartezimmern, Sitzungszimmern, etc. eine Möglichkeit, um durchzuatmen:

  • Hände mit angenehm duftender Handcreme eincremen und sich in Denkerpose setzen. Dabei verzückt an den eignen Händen riechen
  • Ein Duftöl dabeihaben und bei Bedarf ein paar Tropfen auf ein Taschentuch geben
  • Manche Menschen tragen Tigerbalsam bei sich, das sie sich bei intensiveren Geruchsbelastungen leicht unter die Nase reiben

3. Wasser

Hochsensibilität wird mit der Funktionsweise des Gehirns in Verbindung gebracht. Eine Erklärung von Hochsensibilität ist die Annahme, dass Reize intensiver wahrgenommen werden und deshalb das Gehirn von Hochsensiblen aufwändiger Informationen verarbeitet. Hochsensible Menschen verbrauchen von daher in Situationen mit starken Eindrücken viel Energie.

Das Gehirn besteht zu ca. 77% aus Wasser. Um alle Prozesse am Laufen zu halten, ist es auf eine regelmässige Wasserzufuhr angewiesen. Wasser ist das Transportmittel für Sauerstoff und weitere benötigte Stoffe. Auf Wassermangel reagiert das Gehirn ziemlich empfindlich.

Ein paar Schluck Wasser sind ein schnelles und effektives Mittel, um deinen Gehirn zu helfen, eine reizvolle Situation gut zu meistern. In einer überfüllten U-Bahn oder in einem bunt leuchtenden Einkaufszentrum ist die Wasserflasche in der Handtasche ein kleiner Rettungsanker.

4. Snacks

Was für Wasser gilt, gilt im Grossen und Ganzen auch für die Ernährung. Ein dickes Fell besteht vor allem aus regelmäßigen Mahlzeiten und einer damit einhergehenden konstanten Versorgung des Gehirns mit Nährstoffen. Hier habe ich ausführlich darüber geschrieben.

Also sorge dafür, dass du neben der Wasserflasche etwas Trockenobst, einen Müsliriegel, ein paar Nüsse oder etwas anderes dabei hast.

5. Kopfhörer oder Ohrstöpsel

Obwohl ich geräuschempfindlich bin, nutze ich keine Kopfhörer oder Ohrstöpsel. Ich mag diese Dinger nicht in/an meinem Ohr haben. Ich kenne aber Hochsensible, die vor allem auf Noise-Cancelling-Kopfhörer schwören. Kopfhörer haben gegenüber Ohrstöpsel den Vorteil, dass sie für andere Menschen sichtbar sind und somit eine klare Botschaft der Nichterreichbarkeit aussenden. Eine hochsensible Bekannte trägt sie beispielsweise in einem Grossraumbüro – als Signal, zu welchen Zeiten sie nicht ansprechbar ist.

Da ich mangels eigener Erfahrung nicht so viel über Ohrschutz schreiben kann, verweise ich gerne auf den folgenden Artikel:

Hochsensible Ohren? Gehörschutz für alle Fälle (von Anne-Barbara Kern)

6. Notizbuch und Stift

Hochsensible sind Vieldenker und Vielfühler. Ähnlich wie in einem PC oder Mac sind in reizintensiven Situationen verschiedene Programme parallel geöffnet, die damit beschäftigt sind, das Geschehen zu verarbeiten. Der Arbeitsspeicher ist dann ganz schön in Anspruch genommen.

Eine gute Möglichkeit, um ein paar Hintergrundprogramme zu schliessen und sich somit Freiraum für die gegenwärtige Situation zu schaffen, ist sich Notizen zu machen. Das Notizbuch fungiert in dem Moment wie ein externer Arbeitsspeicher.

Schreibe alles auf, was im Hintergrund arbeitet: An was du alles denken willst, mit wem du was klären willst, Gedanken und Gefühle, die gerade präsent sind. Das hilft der Verarbeitung und schafft Raum im Kopf.

Was ist für dich ein bewährtes „hochsensibles Helferchen“?
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Bildnachweis: Pexels

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